Eberhard Maurer

1933 - 2017

 

Schach ist für Eberhard Maurer immer ein zentraler Bereich seiner Freizeitgestaltung gewesen. Ich kenne kaum jemand, der mit mehr Leidenschaft diesem Spiel verfallen war. Dabei war er gleichermaßen aktiv im Normalschach, im Fernschach sowie später im Computerschach.

 

Wir im Schachverein Erftstadt haben davon über 40 Jahre lang profitiert. Vom ersten Erftstädter Turnier an, damals allerdings noch als Gast, hat Eberhard mit seiner beachtlichen Spielstärke zur Aufwertung des Schachsports in Erftstadt erheblich beigetragen. Eberhard gehörte damals dem Kölner Verein Gerling an, er war auch beim Gerlingkonzern als Mathematiker beschäftigt.

 

Eberhard Maurer war der Sieger bei dem erwähnten ersten Erftstädter Schachturnier, das Ende 1971 bis Anfang 1972 durchgeführt wurde. In den mehr als vier Jahrzehnten, die seither vergangen sind, gewann er insgesamt neun mal die Stadtmeisterschaft, fünf mal wurde er Vereinsmeister. Dass dies nicht noch öfter der Fall war, lag im wesentlichen daran, dass Eberhard in den ersten Jahren noch nicht dem Verein beitrat, wir waren noch nicht gut genug, und auch später ging er uns noch einmal für einige Jahre fremd, weil höhere Aufgaben in besseren Mannschaften lockten, sonst hätte er auch hier im Verein mindestens die gleiche Anzahl von Siegen erreichen können. Trotzdem liegt er mit insgesamt 14 Titeln deutlich vor Helmut Nerstheimer und Andreas Harcke an erster Stelle.

 

Erftstadt war immer gut im Blitzschach, hier musste Eberhard sich gegen wirklich gleichwertige Gegner behaupten, gemeinsam mit Helmut Nerstheimer, unserem heutigen Nestor, und den Kollegen Helmut Schlich und Franz Georg Rips hatten wir ein fast unschlagbares Viererteam, das sogar im Jahre 1984 das Brötchenturnier gewinnen konnte.

 

Maurer-Schlich

Eberhard Maurer (links) und Helmut Schlich beim Brötchenturnier 2006

 

Eberhard konnte auch insgesamt 5x den Titel Schachblitzmeister der Senioren im Bezirk Köln erringen, zuletzt noch im Alter von 74 Jahren, eine enorme Leistung, da dort bereits Spieler ab 50 Jahren teilnehmen, also 25 Jahre jünger sind. Um die Liste seiner Erfolge abzuschließen, sei noch erwähnt, dass die Erftstädter Senioren mit seiner Unterstützung vier mal Mannschaftsmeister im Bezirk Köln wurden, damit sind wir bis heute der bisher erfolgreichste Verein im Seniorenschach unserer Region, und Eberhard hat einen erheblichen Anteil daran.

 

Eberhard Maurer wurde vom Deutschen Schachbund für seine langjährigen Aktivitäten und Erfolge im Schachsport mehrfach geehrt, so erhielt er 2004 vom Deutschen Fernschachbund die Silberne Ehrennadel, vom Kölner Schachbezirk im Jahre 2000 die Goldene Ehrennadel für 50 Jahre Mitgliedschaft sowie für besondere sportliche Erfolge.

 

Der Verein ist ihm aber auch zu großem Dank verpflichtet, weil Eberhard in den siebziger Jahren der erste bei uns war, der ein geordnetes Jugendtraining durchführte. Schon damals hatten wir dadurch beachtliche Erfolge bei unseren Jugendlichen, die bis in die NRW-Liga aufstiegen, und einige unserer besten Spieler sind daraus hervorgegangen. Als Zeichen seiner Verbundenheit mit der Jugend verfügte er, dass statt Blumen zu seiner Beerdigung dem Schachverein Erftstadt eine Spende zur Förderung der Schachjugend zugedacht werde. Herzlichen Dank auch dafür, Eberhard.

 

In den letzten Jahren konnte Eberhard aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr am Spielen im Verein teilnehmen, gelegentlich stand er aber für Mannschaftskämpfe noch bereit. Und hier lieferte er bis zuletzt tolle Angriffspartien, wofür die nachstehende beispielhaft gezeigt werden soll, die Kommentare dazu sind von ihm selbst eingefügt:

 

 

Gloßzeit,Christian - Maurer,Eberhard [A21] Bezirksklasse, 2011

 

Vor der Partie informierte ich meinen Mannschaftsführer Jochen Haupt, daß ich wegen einer Familienfeier frühzeitig remis machen wollte. Er stimmte zu.

 

1.c4 e5 2.¤c3 ¥b4 3.¤d5 ¥a5 4.¤f3 c6 5.¤e3 d6 6.a3 f5 7.g3 ¤f6 8.b4 ¥c7 9.¥g2 0–0 10.¥b2 h6 11.d3 ¥e6 12.¤d2 ¤bd7

 

13.d4 e4 14.£c2 d5 15.cxd5 cxd5 16.¤b3 b6 17.£c6 ¦e8 18.¥h3 g6 19.¦c1 ¦c8 20.£a4 ¥b8 21.0–0 f4 22.¥xe6+ ¦xe6

 

23.¦xc8 £xc8 24.¦c1 £f8 25.¤xd5 e3

 

Dieser Zug sollte f3 provozieren.

 

26.f3 fxg3 27.¦c6 Ich merkte in der Partie, daß mein Gegner seine ganze Hoffnung auf Tc6 setzte. Er träumte wohl davon, daß ich den Turm schlagen würde.

 

 

Maurer-Glosszeit-Diagr-1

 

 

 

27...gxh2+ 28.¢h1 ¤g4

 

 

Maurer-Glosszeit-Diagr-2

 

 

weder Turm noch Springer dürfen wegen Matt geschlagen werden.

 

29.¢g2 ¤f2 30.¦c1 £d6 31.¦c8+ ¢f7 Nun ist das Matt nicht mehr zu decken und ich hatte meine Kurzpartie. 0–1

 

 

 

Eberhard war taktisch beschlagen, wie diese Partie zeigt. Er führte gerne komplizierte Stellungen herbei, Stellungen, die für den Gegner zu kompliziert waren. Dabei scheute er auch keine Materialopfer. So überraschte er als Weißer häufig seinen Gegner mit dem Blackmar-Diemer-Gambit ( 1.d4 d5 2.e4 dxe4 3.f3 ), eine Eröffnung, wo sich viele recht unwohl fühlten und mit dem Bauernopfer schwer taten.

 

Besonders stolz war Eberhard auf eine Partie aus den 1970er Jahren.

 

 

Gutsche,Armin - Maurer,Eberhard [A00]

 

Stadtmeisterschaft Erftstadt, 1978

 [Eberhard Maurer]

 

 1.b4 e5 2.Lb2 Lxb4 3.Lxe5 Sf6 4.e3 0–0 5.Sf3 d5 6.c4 Te8 7.Lb2 c5 8.cxd5 Sxd5 9.Dc2 Sc6 10.a3 La5 11.Dxc5 Lg4

12.Sd4 [RR: das hält Fritz für einen schweren Fehler] Tc8 13.Sxc6 Txc6 14.Dd4

 

 

Gutsche-Stellung

 

 der richtige Zug lautet 14...Tc1+!! 15.Lxc1 Nun folgt der nächste entscheidende Zug:

15...Sxe3!! 16.Dxe3 Txe3+ 17.fxe3 Dh4+! 18.g3 Df6! 19.Le2 [19.Ta2 Df3 20.Tg1 Dxe3+–+ nebst Matt]

19...Lxe2 20.Kxe2 Dxa1 21.Sc3 Lxc3 22.dxc3 Dxc3

0–1

 

 

 

Am 24.Juli 2017 ist Eberhard Maurer nach langer Krankheit verstorben, er wurde 84 Jahre alt. Am 3. August 2017 wurde er auf dem Friedhof in Lechenich beigesetzt. Seine Liebe zum Schach sowie sein starkes Engagement in der Jugendarbeit werden uns immer in guter Erinnerung bleiben

 

 

 

Peter Flatten – 100. Geburtstag am 3. Februar 2016

 

Flatten-Peter-Kopie 

Die Alten kennen ihn noch - Peter Flatten wäre im Februar 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass möchte ich gerne noch einmal an den leidenschaftlichsten Schachspieler, aber auch das wohl größte „Original“ erinnern, der bislang in unserem Verein gespielt hat.

 

Peter Flatten wurde am 3. Februar 1916 geboren. Als 1970 unser Verein gegründet wurde, war er sofort dabei. Obwohl er ja damals erst 54 Jahre alt war, und es einige Spieler gab, die mindestens in der gleichen Altersklasse waren, war er für mich doch immer „Der alte Flatten“, hauptsächlich wahrscheinlich wegen seiner silberweißen Mähne, er trug die Haare damals wesentlich länger als allgemein üblich.

 

Im ersten Turnier, das wir 1971 austrugen, errang er Platz fünf, dabei gelang ihm als Einzigem ein Sieg über den haushohen Turniersieger Eberhard Maurer. Dieses Ergebnis war eigentlich „Typisch Flatten“. Er gehörte der Spielstärke nach nicht unbedingt zur Spitze, konnte aber doch jeden schlagen, da er gerne risikoreich kombinierte. Ich denke, der alte Begriff Cafehaus-Schach kennzeichnet seine Spielweise treffend.

 

Herr Flatten – für mich war er, 22 Jahre älter, niemals Peter, sondern immer Herr Flatten – hätte am liebsten nur Schach gespielt. Er war selbständiger Taxiunternehmer, und betrieb dazu einen Laden in Köttingen, in dem er Elektrogeräte verkaufte. Dort war er aber meines Wissens so gut wie nie tätig, das besorgten Frau und Tochter, Taxi fuhr er hauptsächlich nachts und zu festen Zeiten als Fahrdienst für Firmen und Schulen. Er hatte jedenfalls tagsüber genügend Zeit für das Schachspielen, und an Wochenenden lockte er des öfteren mich, gerne etwa mit den Worten: „Brengt der Kleine (unseren Sohn, ca 5-6 Jahre alt damals) met, der kann em Schwemmbad spille“. Denn - Peter Flatten hatte in Köttingen ein sehr komfortables neues Haus mit Schwimmbad im Garten – ein seltener Luxus zu jener Zeit. Das war für alle drei dann schön, aber ich musste auch immer auf das Ende drängen.

 

An den Vereinsabenden blieb er so lange wie möglich, sein Partner war dann in den siebziger Jahren meist Herr Schmitz, ein “Wanderer zwischen den Vereinen“, der einige Jahre auch bei uns spielte. Unser Spiellokal war damals der Franziskaner in Lechenich, und sie spielten, bis der Wirt sie dann weit nach Mitternacht hinauswarf.

 

Ständig rauchte Peter Flatten beim Spielen seine Zigaretten. Damals war das Rauchen noch gestattet, auch bei Turnierpartien, und häufig landete die Asche auf dem Spielbrett, dem Tisch oder Fußboden, selten im Aschenbecher. Da mussten wir so manches Mal etwas putzen, damit der Wirt oder die gegnerischen Spieler nicht zu unwillig reagierten. Aber beim Spiel vergaß er einfach seine Umwelt. Dann passierte es, dass er plötzlich aufsprang, und eilig zur Toilette lief, wobei er mir dann einmal sagte: „Wenn De pisse musst, kannste net spille“.

 

Während der ersten Ölkrise 1973 profitierten wir von Peter Flattens Taxischein. Es gab damals an vier Sonntagen Fahrverbot für alle privaten PKW, nur Busse und Taxis durften fahren, so konnten wir komfortabel über fast autofreie Straßen zum Auswärtsspiel fahren, ohne Bus und Bahn zu benutzen.

 

Seine Spielleidenschaft ging aber auch manchmal etwas zu weit. So sah ich einmal bei einem Mannschaftskampf, dass er recht einfach eine gegnerische Figur hätte gewinnen können, das aber nicht tat. Als ich ihn nach der Partie auf die Situation ansprach, meinte er: „Hatt isch jesinn, ävver isch wullt en noch jet quäle“. Er war meines Wissens auch der Einzige, dem es in einer Turnierpartie gelang, im Endspiel mit jeweils nur dem König und einem Turm den Gegner so lange zu nerven, bis dieser tatsächlich durch ein grobes Versehen seinen Turm einstellte und die Partie aufgab.

 

Später kamen die Schachcomputer auf, und nachdem er sich das bei mir angesehen hatte, legte er sich auch einen „Mephisto“ zu. Die ersten Geräte waren aber noch nicht mit den heutigen zu vergleichen, sie hatten noch verschiedene Schwachstellen, kein Eröffnungsrepertoire, und im Bauernendspiel waren sie miserabel. Das merkte auch Herr Flatten schnell, er fand eine Zugfolge in der italienischen Eröffnung, bei der der Computer einen Fehler beging. Nun spielte er immer wieder diese Variante, und beklagte bei mir: „ Dä mäht jedes mol dä jleiche Fähler, dä spillt net jood“. Ich versuchte, ihm klar zu machen, dass der Computer nicht lernen konnte, und er den Schwachpunkt umgehen müsste, aber dazu war er nicht bereit.

 

In den letzten Jahren seines Lebens bekam Peter Flatten mehr und mehr gesundheitliche Probleme, die sogar dazu führten, dass er einige Male das Schachspielen abbrechen musste, und im Jahre 1992 kam er bei der Jahresabschlussfeier zum letzten Male zu uns. Mir wird er immer in guter Erinnerung bleiben, wenn ich auch weiß und verstehe, dass nicht jeder so gut mit seinen Eigenheiten zurechtkam.

 

Jochen Haupt

 

Schachfreund Peter Flatten verstarb am 14. Juli 1994. Er wurde auf dem Friedhof in Liblar beigesetzt. Sein inzwischen verstorbener Bruder ist der Gründer des bekannten Busunternehmens Flatten (Sitz in Erp). Das Foto hat uns Frau Monika Zarbock, Peter Flattens Tochter, freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Werner Rost

Herbert Schilling

16.9.1928 – 21.10.2015

 

Ein Nachruf von Gottfried Jung

 

Meines Wissens spielte Herbert Schilling  in der 1.Mannschaft in den  Anfangsjahren des Vereins. Er musste also schon vor 2002 Mitglied gewesen sein. Ich vermute, dass es ihm ähnlich erging wie mir: Obwohl wir beide über viele Jahre brav unsere Mitgliedsbeiträge entrichteten, wurden wir offiziell nicht geführt. Wie dem auch sei, wir haben uns erst im Rentenalter kennen gelernt.

 

Wir spielten dann über viele Jahre jeden Mittwochnachmittag bei mir zu Hause Schach – mit Uhr und Notation, und zeitweise auch gemeinsam in einer Mannschaft.

 

Herbert Schilling war Pächter eines Jagdreviers im Rothaargebirge und besaß dort auch ein Jagdhäuschen. Wir waren oft dort. Bevor wir überhaupt dort ankamen war unser erster Weg zur Metzgerei. Dort kauften wir Würste, Schinken und Mett, beim Bäcker 50 Laugenbrötchen und im Getränkehandel ein bisschen Bier und Rotwein ein, und zwar für 3 Tage. Dies gab es dann zum Frühstück, Mittagessen und als Abendbrot. Man muss wissen, dass Frau Schilling vegan kochte und Herbert Schilling als Gastgeber (sog. Geschäftsessen) jeden Gourmettempel im weiten Umkreis kannte und daher die etwas rustikale Art der Ernährung besonders genoss.

 

Tagesablauf: Ab 9:00 Uhr Schach; um die Mittagszeit Kontrolle der Kirrungen (=Lock-Futterstelle für Wildschweine) in einem 25 Jahre alten Jeep – im Winter – im tiefsten Wald - abschüssiges Gelände – vereist – mit einem fast 80jährigen am Steuer ...; ab Mitternacht zu zweit auf einem Hochsitz hoch oben auf einem großen Baum, ich bibbernd vor Kälte, Herbert Schilling behaglich schnurrend in seiner Luxus-Winter-Jagdausrüstung. Es war einfach schön.

 

Irgendwann musste er sich dann um seine kranke Frau kümmern, und die Jagdausflüge endeten. Dann erwischte es auch ihn und die Mittwochnachmittage fielen aus. Als ich ihn nach einem Jahr in seinem sehr großen Haus aufsuchte - er lebte dort inzwischen alleine – erkannte er mich nicht wieder. Aber seine Augen leuchteten, als ich ihm vorschlug eine Partie Schach zu spielen. Ich besuchte ihn dann sporadisch  und wir spielten Schach. Irgendwann wurde die Tür aber nicht mehr geöffnet. Das große Haus war unbewohnt.

 

Herbert Schilling war beruflich lange Jahr – bis 1993 – als Geschäftsführer  für die Unternehmensführung des Brühler Eisenwerkes  verantwortlich.

 

Er erzählte mir, dass er in den 1940er Jahren – auf Reichsebene – an einem Schüler-Wettbewerb teilgenommen und als Bester abgeschnitten habe. Aufgrund dessen  konnte er dann in Wien ein Ingenieur-Studium besuchen. Gegen Ende des Krieges sollte er sein Studium unterbrechen und Soldat werden. Er missachtete den Einberufungsbefehl und schlug sich als 16 oder 17jähriger auf Umwegen nach Hause und beendete nach dem Krieg sein Ingenieurstudium.

Gottfried Jung

 

Zitat aus Jochen Haupt's Vereinschronik:

Der Aufstieg in die Bezirksklasse, 1977 in die Bezirksliga, 1978 in die Verbandsliga Mittelrhein waren das Ergebnis. … Die Stadt Erftstadt würdigte diesen Erfolg durch die Verleihung des Titels „Mannschaft des Jahres“, eine Ehrung, die bis vor einigen Jahren regelmäßig verdienten Sportlern zu Teil wurde, nun aber dem Rotstift zum Opfer gefallen ist. Zu dieser Mannschaft gehörten die Spieler Armin Gutsche, Jochen Haupt, Rolf Michels, Helmut Nerstheimer, Franz Georg Rips, Herbert Schilling, Helmut Schlich, Alfons Schönenborn, Helmut Thomas.

 

Was den meisten wohl nicht bekannt ist: Herbert Schilling hat unseren Verein diskret durch sehr großzügige Spenden unterstützt, in seiner Bescheidenheit machte er davon kein Aufhebens.

W.R.

Erich Teckentrup

1948 - 2015

 

Diese Nachricht kam für mich plötzlich. Für diejenigen, die näheren Kontakt zu ihm pflegten, war Erichs Ableben nicht so ganz unerwartet. Eine lange schwere Krankheit hat ihn schachmatt gesetzt.

Erich wurde am 31. Dezember 1948 in Iserlohn als Sohn taubstummer Eltern geboren.

Nach dem Schulbesuch absolvierte er zunächst eine kaufmännische Lehre und war schon in den 60er Jahren in der Datenverarbeitung tätig. Erich war stets ehrgeizig, während der beruflichen Tätigkeit erreichte er in Abendkursen zunächst das Abitur, dann das Diplom in Betriebswirtschaft. Er wechselte mehrfach seine Arbeitgeber, war auch in mehreren Phasen seines Berufslebens selbständig in IT-Projekten für große Firmen, meist Banken, tätig. Dies bedingte auch einen mehrjährigen beruflichen Aufenthalt in der Schweiz.

Etwa vor zehn Jahren stellten die Ärzte die schwerwiegende Diagnose „Krebserkrankung“ bei ihm fest. Dies machte wiederholte Chemotherapien erforderlich. In deren Folge erlebte er Höhen und Tiefen, gesunde Phasen wechselten sich mit schwierigen Phasen ab. Am 22. April diesen Jahres verlor er den Kampf, er war erst 66 Jahre alt. Erich hinterlässt eine Ehefrau und zwei Töchter sowie drei Enkelkinder, das letzte wurde wenige Tage vor seinem Tode geboren, er konnte es noch begrüßen.

Erich war fast 25 Jahre Mitglied unseres Schachvereins. Soweit es sein Beruf zuließ spielte er aktiv bei den Mannschaftsmeisterschaften mit. Außerdem spielte er sehr gerne Tennis, häufig zusammen mit seiner Ehefrau. Hier wie da galt als Kämpfer, keine Partie gab er vorzeitig verloren. Sein Auftreten war vorbildlich, jeder spielte gerne mit ihm im Team. Als er in den letzten Jahren sein berufliches Engagement – aus gesundheitlichen Gründen – zurückfuhr konzentrierte er sich umso mehr auf das Schachspiel. Seine Spielstärke nahm stetig zu, 2014 hatte er eine Wertungszahl DWZ von 1622, so hoch wie vorher nie in seiner langjährigen Laufbahn. Die unheilbare Krankheit setzte seinem weiteren Höhenflug ein Ende.

Der Schachklub Erftstadt verliert mit Erich Teckentrup einen zuverlässigen, engagierten und beliebten Freund.

Gerhard Andriske

1931 - 2015

 

Das organisierte Schachspielen in Erftstadt geht zurück auf die Initiative von zwei damals jungen Lehrern der Liblarer Realschule, den heute noch in Lechenich wohnenden Jürgen Mörchen sowie auf Gerhard Andriske. Letzterer war Mitbegründer der seit 1970 existierenden Sportgemeinschaft Erftstadt (SGE). Ein Jahr später fanden diese beiden, die gelegentlich zusammen Schach spielten, dann einige weitere Interessenten: Die Schachabteilung der SGE wurde gegründet.

Gerhard Andriske zog schon 1973 von Erftstadt fort nach Radevormwald, wo er von da ab lebte, arbeitete und Schach spielte. In den ersten Jahren hatte unser Verein noch Kontakt zu ihm, jährlich fand ein Freundschaftsturnier mit dem Schachklub Radevormwald statt.

Auch in seiner neuen Heimat trug er dazu bei, das Schachspiel populär zu machen. An seiner Schule leitete er eine Schach-AG, selbst noch lange Jahre nach seiner Pensionierung. Er war ein guter Vereinsspieler - in seiner besten Zeit kam er auf eine DWZ von ca. 1700 - und nahm auch an vielen Turnieren bis hin zur Deutschen Seniorenmeisterschaft teil. Schach war bis zuletzt seine Leidenschaft.

Nun ist Gerhard Andriske im Alter von 83 Jahren verstorben. Unser Verein wird ihm immer zu Dank verpflichtet sein und wenn auch kaum noch jemand von uns ihn persönlich kannte, wird er doch stets als Mitinitiator für das Schachspielen in Erftstadt einen Platz in den Annalen einnehmen.

 

Jochen Haupt im März 2015


Peter Stolz gestorben

 

In seinem 79. Lebensjahr ist unser alter Schachfreund Peter Stolz nach längerer Krankheit am 6. Oktober 2013 verstorben.

 

Fast 30 Jahre lang haben wir zusammen Schach gespielt, Peter nahm 1984 erstmals an der Stadtmeisterschaft teil. Es dauerte aber noch weitere 8 Jahre, bis er Mitglied bei uns wurde. Zusammen mit seinem Sohn Stephan, der ein ausgezeichneter Jugendspieler war, spielte er damals für den Schachverein Frechen, der in den 80er Jahren eine sehr erfolgreiche Jugendarbeit leistete. Sein Sohn war damals Mitglied der Mannschaft, die die NRW Jugendmeisterschaft gewann und auch bei der Deutschen Meisterschaft vorne mitspielte. Das wollte Peter auf jeden Fall so weit wie möglich begleiten und unterstützen.

 

In den 90er Jahren spielten dann Vater und Sohn für unseren Verein. Peter wirkte stets ruhig und besonnen, in Blitzpartien herrschte oft Alarmstufe eins, wenn er mit zwei Springern herumwirbelte. Aber Peter war eigentlich nie so ein intensiver Vereinsmensch, er zog es meistens vor, sich zu Hause mit Schach zu beschäftigen. Das allerdings recht intensiv. Er spielte recht erfolgreich Fernschach, und er war, glaube ich, zumindest in unserer Altersklasse der erste, der sich richtig gut mit den damals aufkommenden Schachcomputern auskannte. Manche Information und Instruktionen über den Umgang mit Fritz-Geräten, und insbesondere mit Chessbase, verdankte ich ihm. Er besaß auch damals schon umfangreiche Datenbanken zu verschiedenen Eröffnungen, heute alles eine Selbstverständlichkeit, aber vor 20 Jahren alles Neuland – Peter kannte sich damit aus und half gerne, manch Stunde haben wir da an seinem Computer verbracht.

 

Gerne fuhr Peter Stolz auch mal zu auswärtigen Turnieren, am liebsten zusammen mit seinem Sohn Stephan nach Bad Wiessee, wo ihm auch der wohl größte Erfolg seiner Schachkarriere gelang, ein hart erkämpftes Remis gegen den starken FM Ingo Cordts. Aber auch an Seniorenturnieren nahm er gelegentlich teil, im Jahre 2008 waren wir gemeinsam bei der Seniorenweltmeisterschaft in Bad Zwischenahn dabei. Meines Wissens war das auch das letzte Turnier, an dem er teilnahm. Danach zog Peter sich mehr und mehr zurück, obwohl er immer noch über das Internet verfolgte, wie die Erftstädter Mannschaften abschnitten, und bei gelegentlichen Gesprächen meinte er so etwa sinngemäß:

…wir müssten auch noch mal wieder ….

 

Aber dabei ist es dann letztlich geblieben, und dann war es eines Tages zu spät. Peter Stolz war sicher vielen im Verein relativ fremd, aber wer ihn kannte, weiß, dass er einer der engagiertesten Spieler war, Schach war wirklich sein Hobby. Wer ihn in seiner aktiven Phase kannte, wird ihn sicher in guter Erinnerung behalten.

 

Jochen Haupt

(In Zusammenarbeit mit Werner Rost)

Helmut Schlich

1935 - 2015

Unser langjähriges Mitglied Helmut Schlich, der beste Blitzschachspieler, den unser Verein bisher gehabt hat, der als Sieger vieler Blitzschachturniere in unseren Annalen verewigt ist, starb am 2. Januar 2015, kurz vor Vollendung seines 80.Lebensjahres.

 

Im Jahre 1975, also genau vor 40 Jahren, trat Helmut Schlich dem Verein bei, wurde auf Anhieb Vereinsmeister im Blitzschach und war auch im Normalschach als starkes Mitglied der ersten Mannschaft wesentlich daran beteiligt, dass in den folgenden drei Jahren der stetige Aufstieg bis in die Verbandsliga Mittelrhein gelang, in der wir seither mit kurzer Unterbrechung gegen Ende der achtziger Jahre fest etabliert sind.

 

In der Spielsaison 1985/86 richtete der Schachbezirk Köln zum ersten Male eine Mannschaftsmeisterschaft für Senioren ein, die unser Team damals und in der Folge noch insgesamt fünf Mal gewann, in den ersten Jahren stets mit Helmut Schlich. Auch den Titel des Seniorenmeisters im Blitzschach als Einzelspieler konnte er damals erringen. Erftstadt hat bis heute die mit Abstand erfolgreichste Seniorenvertretung im Schachbezirk Köln, so lange Helmut Schlich hier in Erftstadt wohnte, hat er stets einen großen Anteil an diesen Erfolgen gehabt.

 

Nach seiner Pensionierung war es natürlich für ihn fast nicht mehr möglich, an den Turnieren teilzunehmen, da er mit seiner Ehefrau Doris einen großen Teil des Jahres an der Algarve verbrachte, doch ist die Verbindung zum Verein unverändert fest geblieben. Helmut Schlich hat 1996 ein großzügiges Förderprogramm für die Schachjugend in Erftstadt gestartet. In jedem Jahr wurden seither Pokale und Geldpreise im Gesamtwert von über 1500 Euro gestiftet.

 

Das Förderprogramm sieht vor, dass der Schachverein Erftstadt e.V. regelmäßig Turniere im Blitz- und im Schnellschach durchführt, die mit sehr attraktiven Preisen ausgestattet werden. Ziel ist es, die bereits guten Erfolge in der Schachausbildung zu vertiefen und auch für die Zukunft auszubauen. Die Stiftung soll dazu beitragen, dass gute Talente weiterhin in Erftstadt entwickelt und gehalten werden können. Die Spenden ermöglichen es uns auch, durch die Verpflichtung von ausgebildeten Spitzentrainern die Jugendarbeit zu optimieren.

 

Die Erfolge sprechen für sich. Mehrere Mannschaften spielen in der Mittelrhein-Liga, mehrfach nahmen Jugendmannschaften unseres Vereines an Deutschen Meisterschaften teil. Bereits zum fünften Male erhielt unser Verein vom Deutschen Schachbund die Auszeichnung für besondere Verdienste in der Jugendarbeit, alles ermöglicht durch seine finanzielle Unterstützung.

 

 

Helmut Schlich erlernte die Feinheiten des Schachspiels wesentlich durch häufiges Spielen mit seinem Schachfreund Dr. Paul Tröger, dem Deutschen Schachmeister von 1957. Sein größter Erfolg war es dann eines Tages, diesen im Blitzschach zu besiegen. Im Normalschach war Helmut auch ein beachtlicher Gegner, doch liebte er es nicht so sehr. Wie er mir einmal sagte, als ich ihn um den Einsatz in einem Mannschaftskampf ansprach: „Nimm´s mir nicht übel, aber 4-5 Stunden da zu sitzen und am Ende vielleicht noch zu verlieren, das ist nicht das Richtige für mich“; aber das Blitzen war seine Stärke, da hat er so manchen Großmeister geschlagen, und an den Blitzterminen im Verein erschien er regelmäßig. Auch das Skatspiel liebte er sehr, und er drängte nach dem Turnier auch meist darauf, noch einige Runden Karten zu spielen, am liebsten bei „Oma Schwarz“ in Liblar, einer alten, heute nicht mehr existierenden Kneipe, wo er Stammgast war.

 

So hat er auch nie an Vereins- oder Stadtmeisterschaften teilgenommen, Helmut war ein Macher und Organisator mit schnellen Entschlüssen. Das brachte ihn beruflich voran, als Direktor des Deutschen Mieterbundes hat er maßgeblich Teile der Sozialpolitik in Deutschland mit gestaltet, auch dadurch blieb natürlich keine Zeit für länger dauernde Turniere. Stets nahm er sich jedoch Zeit für seine Familie. Oft schwärmte er von den wöchentlichen gemeinsamen Abendessen, auch als seine Söhne schon erwachsen waren und selbständig im Berufsleben standen. Als seine Frau Anfang Dezember 2014 verstarb, verlor er anscheinend auch den Lebensmut, alleine wollte er wohl nicht sein. Knapp vier Wochen später ging auch sein Leben zu Ende.

 

Der Schachverein Erftstadt ist Helmut Schlich zu großem Dank verpflichtet. Dass wir ihn zum Ehrenmitglied ernannten, war nur eine kleine Geste gegenüber seinen großen Verdiensten. Wir werden Helmut stets in guter Erinnerung behalten.

 

Joachim Haupt

Im Januar 2015