Peter Flatten

Peter Flatten – 100. Geburtstag am 3. Februar 2016

 

Flatten-Peter-Kopie 

Die Alten kennen ihn noch - Peter Flatten wäre im Februar 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass möchte ich gerne noch einmal an den leidenschaftlichsten Schachspieler, aber auch das wohl größte „Original“ erinnern, der bislang in unserem Verein gespielt hat.

 

Peter Flatten wurde am 3. Februar 1916 geboren. Als 1970 unser Verein gegründet wurde, war er sofort dabei. Obwohl er ja damals erst 54 Jahre alt war, und es einige Spieler gab, die mindestens in der gleichen Altersklasse waren, war er für mich doch immer „Der alte Flatten“, hauptsächlich wahrscheinlich wegen seiner silberweißen Mähne, er trug die Haare damals wesentlich länger als allgemein üblich.

 

Im ersten Turnier, das wir 1971 austrugen, errang er Platz fünf, dabei gelang ihm als Einzigem ein Sieg über den haushohen Turniersieger Eberhard Maurer. Dieses Ergebnis war eigentlich „Typisch Flatten“. Er gehörte der Spielstärke nach nicht unbedingt zur Spitze, konnte aber doch jeden schlagen, da er gerne risikoreich kombinierte. Ich denke, der alte Begriff Cafehaus-Schach kennzeichnet seine Spielweise treffend.

 

Herr Flatten – für mich war er, 22 Jahre älter, niemals Peter, sondern immer Herr Flatten – hätte am liebsten nur Schach gespielt. Er war selbständiger Taxiunternehmer, und betrieb dazu einen Laden in Köttingen, in dem er Elektrogeräte verkaufte. Dort war er aber meines Wissens so gut wie nie tätig, das besorgten Frau und Tochter, Taxi fuhr er hauptsächlich nachts und zu festen Zeiten als Fahrdienst für Firmen und Schulen. Er hatte jedenfalls tagsüber genügend Zeit für das Schachspielen, und an Wochenenden lockte er des öfteren mich, gerne etwa mit den Worten: „Brengt der Kleine (unseren Sohn, ca 5-6 Jahre alt damals) met, der kann em Schwemmbad spille“. Denn - Peter Flatten hatte in Köttingen ein sehr komfortables neues Haus mit Schwimmbad im Garten – ein seltener Luxus zu jener Zeit. Das war für alle drei dann schön, aber ich musste auch immer auf das Ende drängen.

 

An den Vereinsabenden blieb er so lange wie möglich, sein Partner war dann in den siebziger Jahren meist Herr Schmitz, ein “Wanderer zwischen den Vereinen“, der einige Jahre auch bei uns spielte. Unser Spiellokal war damals der Franziskaner in Lechenich, und sie spielten, bis der Wirt sie dann weit nach Mitternacht hinauswarf.

 

Ständig rauchte Peter Flatten beim Spielen seine Zigaretten. Damals war das Rauchen noch gestattet, auch bei Turnierpartien, und häufig landete die Asche auf dem Spielbrett, dem Tisch oder Fußboden, selten im Aschenbecher. Da mussten wir so manches Mal etwas putzen, damit der Wirt oder die gegnerischen Spieler nicht zu unwillig reagierten. Aber beim Spiel vergaß er einfach seine Umwelt. Dann passierte es, dass er plötzlich aufsprang, und eilig zur Toilette lief, wobei er mir dann einmal sagte: „Wenn De pisse musst, kannste net spille“.

 

Während der ersten Ölkrise 1973 profitierten wir von Peter Flattens Taxischein. Es gab damals an vier Sonntagen Fahrverbot für alle privaten PKW, nur Busse und Taxis durften fahren, so konnten wir komfortabel über fast autofreie Straßen zum Auswärtsspiel fahren, ohne Bus und Bahn zu benutzen.

 

Seine Spielleidenschaft ging aber auch manchmal etwas zu weit. So sah ich einmal bei einem Mannschaftskampf, dass er recht einfach eine gegnerische Figur hätte gewinnen können, das aber nicht tat. Als ich ihn nach der Partie auf die Situation ansprach, meinte er: „Hatt isch jesinn, ävver isch wullt en noch jet quäle“. Er war meines Wissens auch der Einzige, dem es in einer Turnierpartie gelang, im Endspiel mit jeweils nur dem König und einem Turm den Gegner so lange zu nerven, bis dieser tatsächlich durch ein grobes Versehen seinen Turm einstellte und die Partie aufgab.

 

Später kamen die Schachcomputer auf, und nachdem er sich das bei mir angesehen hatte, legte er sich auch einen „Mephisto“ zu. Die ersten Geräte waren aber noch nicht mit den heutigen zu vergleichen, sie hatten noch verschiedene Schwachstellen, kein Eröffnungsrepertoire, und im Bauernendspiel waren sie miserabel. Das merkte auch Herr Flatten schnell, er fand eine Zugfolge in der italienischen Eröffnung, bei der der Computer einen Fehler beging. Nun spielte er immer wieder diese Variante, und beklagte bei mir: „ Dä mäht jedes mol dä jleiche Fähler, dä spillt net jood“. Ich versuchte, ihm klar zu machen, dass der Computer nicht lernen konnte, und er den Schwachpunkt umgehen müsste, aber dazu war er nicht bereit.

 

In den letzten Jahren seines Lebens bekam Peter Flatten mehr und mehr gesundheitliche Probleme, die sogar dazu führten, dass er einige Male das Schachspielen abbrechen musste, und im Jahre 1992 kam er bei der Jahresabschlussfeier zum letzten Male zu uns. Mir wird er immer in guter Erinnerung bleiben, wenn ich auch weiß und verstehe, dass nicht jeder so gut mit seinen Eigenheiten zurechtkam.

 

Jochen Haupt

 

Schachfreund Peter Flatten verstarb am 14. Juli 1994. Er wurde auf dem Friedhof in Liblar beigesetzt. Sein inzwischen verstorbener Bruder ist der Gründer des bekannten Busunternehmens Flatten (Sitz in Erp). Das Foto hat uns Frau Monika Zarbock, Peter Flattens Tochter, freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Werner Rost