Helmut Schlich

Helmut Schlich

1935 - 2015

Unser langjähriges Mitglied Helmut Schlich, der beste Blitzschachspieler, den unser Verein bisher gehabt hat, der als Sieger vieler Blitzschachturniere in unseren Annalen verewigt ist, starb am 2. Januar 2015, kurz vor Vollendung seines 80.Lebensjahres.

 

Im Jahre 1975, also genau vor 40 Jahren, trat Helmut Schlich dem Verein bei, wurde auf Anhieb Vereinsmeister im Blitzschach und war auch im Normalschach als starkes Mitglied der ersten Mannschaft wesentlich daran beteiligt, dass in den folgenden drei Jahren der stetige Aufstieg bis in die Verbandsliga Mittelrhein gelang, in der wir seither mit kurzer Unterbrechung gegen Ende der achtziger Jahre fest etabliert sind.

 

In der Spielsaison 1985/86 richtete der Schachbezirk Köln zum ersten Male eine Mannschaftsmeisterschaft für Senioren ein, die unser Team damals und in der Folge noch insgesamt fünf Mal gewann, in den ersten Jahren stets mit Helmut Schlich. Auch den Titel des Seniorenmeisters im Blitzschach als Einzelspieler konnte er damals erringen. Erftstadt hat bis heute die mit Abstand erfolgreichste Seniorenvertretung im Schachbezirk Köln, so lange Helmut Schlich hier in Erftstadt wohnte, hat er stets einen großen Anteil an diesen Erfolgen gehabt.

 

Nach seiner Pensionierung war es natürlich für ihn fast nicht mehr möglich, an den Turnieren teilzunehmen, da er mit seiner Ehefrau Doris einen großen Teil des Jahres an der Algarve verbrachte, doch ist die Verbindung zum Verein unverändert fest geblieben. Helmut Schlich hat 1996 ein großzügiges Förderprogramm für die Schachjugend in Erftstadt gestartet. In jedem Jahr wurden seither Pokale und Geldpreise im Gesamtwert von über 1500 Euro gestiftet.

 

Das Förderprogramm sieht vor, dass der Schachverein Erftstadt e.V. regelmäßig Turniere im Blitz- und im Schnellschach durchführt, die mit sehr attraktiven Preisen ausgestattet werden. Ziel ist es, die bereits guten Erfolge in der Schachausbildung zu vertiefen und auch für die Zukunft auszubauen. Die Stiftung soll dazu beitragen, dass gute Talente weiterhin in Erftstadt entwickelt und gehalten werden können. Die Spenden ermöglichen es uns auch, durch die Verpflichtung von ausgebildeten Spitzentrainern die Jugendarbeit zu optimieren.

 

Die Erfolge sprechen für sich. Mehrere Mannschaften spielen in der Mittelrhein-Liga, mehrfach nahmen Jugendmannschaften unseres Vereines an Deutschen Meisterschaften teil. Bereits zum fünften Male erhielt unser Verein vom Deutschen Schachbund die Auszeichnung für besondere Verdienste in der Jugendarbeit, alles ermöglicht durch seine finanzielle Unterstützung.

 

 

Helmut Schlich erlernte die Feinheiten des Schachspiels wesentlich durch häufiges Spielen mit seinem Schachfreund Dr. Paul Tröger, dem Deutschen Schachmeister von 1957. Sein größter Erfolg war es dann eines Tages, diesen im Blitzschach zu besiegen. Im Normalschach war Helmut auch ein beachtlicher Gegner, doch liebte er es nicht so sehr. Wie er mir einmal sagte, als ich ihn um den Einsatz in einem Mannschaftskampf ansprach: „Nimm´s mir nicht übel, aber 4-5 Stunden da zu sitzen und am Ende vielleicht noch zu verlieren, das ist nicht das Richtige für mich“; aber das Blitzen war seine Stärke, da hat er so manchen Großmeister geschlagen, und an den Blitzterminen im Verein erschien er regelmäßig. Auch das Skatspiel liebte er sehr, und er drängte nach dem Turnier auch meist darauf, noch einige Runden Karten zu spielen, am liebsten bei „Oma Schwarz“ in Liblar, einer alten, heute nicht mehr existierenden Kneipe, wo er Stammgast war.

 

So hat er auch nie an Vereins- oder Stadtmeisterschaften teilgenommen, Helmut war ein Macher und Organisator mit schnellen Entschlüssen. Das brachte ihn beruflich voran, als Direktor des Deutschen Mieterbundes hat er maßgeblich Teile der Sozialpolitik in Deutschland mit gestaltet, auch dadurch blieb natürlich keine Zeit für länger dauernde Turniere. Stets nahm er sich jedoch Zeit für seine Familie. Oft schwärmte er von den wöchentlichen gemeinsamen Abendessen, auch als seine Söhne schon erwachsen waren und selbständig im Berufsleben standen. Als seine Frau Anfang Dezember 2014 verstarb, verlor er anscheinend auch den Lebensmut, alleine wollte er wohl nicht sein. Knapp vier Wochen später ging auch sein Leben zu Ende.

 

Der Schachverein Erftstadt ist Helmut Schlich zu großem Dank verpflichtet. Dass wir ihn zum Ehrenmitglied ernannten, war nur eine kleine Geste gegenüber seinen großen Verdiensten. Wir werden Helmut stets in guter Erinnerung behalten.

 

Joachim Haupt

Im Januar 2015